Schwere Winde und düstere Wolken lieferten sich über den Köpfen einer kleinen aber fest zusammen stehenden Anzahl von Ausflugssüchtigen bedrohliche Kämpfe am Himmel. Frühjahr war es, nur das Wetter wusste es noch nicht. Die mit frohen Erwartungen gezeichneten Gesichter der Anwesenden verdunkelten sich beim Anblick des Infernos das sich rings um sie herum abspielte.

Da, ein Lichtblick, ein Sonnenstrahl. Schon entblößten sie ihre Körper von unnötigem Tand, zeigten Zuversicht und Mut beim Treffen der ersten Sonnenstrahlen auf ihre noch winterlich eingestellte Haut.

Ein vierrädriges, metallic-orangenes Ungetüm bahnte sich seinen Weg zu den am Wegesrand ausharrenden, einsamen Streitern. Ein fröhlicher, beduinisch aussehender Mensch entstieg dem Ungetüm und begrüßte die seinen Worten lauschenden Gäste. Der Führer dieses „Omnibus“ genannten Fahrzeuges machte einen Vertrauen erweckenden Eindruck auf die schlotternden Mitfahrer.

Man stieg ein, räkelte sich behaglich in den bequemen Sesseln und lauschte den Worten des großen Vorsitzenden, der blumenreich die schönsten Worte fand um die Fahrgäste auf das auf sie zukommende paradiesische Erlebnis vorzubereiten.

Die Fahrt währte nicht lange. Das Ziel, ein Weiler in der gesegneten Landschaft Rhein-Hessens, wurde wie durch Zauberhand schnell erreicht. Alzey. Ein Kleinod unter den Kleinoden. Ein gewisser Herr Massa hatte hier eines Tages Hand angelegt und einen Platz für Viele geschaffen.

Wie durch ein Wunder veränderte sich Landschaft und Wetter. Der Frühling war plötzlich irgendwie da, fast greifbar. Vielleicht lag es an der flüssigen Nahrung, der Wegzehrung, vielleicht aber auch an der Vorfreude sich der Aufnahme flüssiger Nahrung verstärkt nach Erreichen des Zieles hingeben zu können. Manna !

Vor den Toren des imposanten, alten Weingutes angelangt erspähte die Gesellschaft noch mehr Gesellschaft, in Form von etlichen Menschen die sich im Hofe des Weingutes Getränk und Musik hingaben.
Von den Besitzern auf das herzlichste begrüßt verteilte sich die Gesellschaft auf die vielen räumlichen Möglichkeiten des Weingutes, um sich der Lust an Wurst, Weck, Wein und Musik hinzugeben. Ein nicht zu unterschätzender Gefahrenpunkt befand sich gleich am Anfang des reichhaltigen Buffets.

Streuselkuchen! Streuselkuchen in verschiedensten Geschmacksrichtungen. Ein Verführer. Ein Casanova in Form eines Hefeteigs. Viele – oder besser alle – konnten der Verführung nicht widerstehen und wurden in Verbindung mit Dornfelder, Spätburgunder oder anderen Tropfen zum Opfer. Einigen wurde die Tragik des Geschehens erst am nächsten Tag bewusst. In Form von Erinnerungssodbrennen gedachte man des süßen Genusses.
Ein duftendes Gemisch aus Rebsorten, Wildschwein-würsten und Damenparfüms schwebte wie ein erotisierendes Etwas über dem Innenhof des Weingutes. Ein Gefühl von Herrschaftlichkeit aus ganz anderen Zeiten, erinnerte an das gute Leben.

Auch lange Schlangen vor den Orten der Entleerung konnten nicht den sinnierenden Blick über diesen Hort der Sinnlichkeit trüben.

Das Frühjahr hatte es sich plötzlich wieder anders überlegt. Kleine Kältewellen stoben über den Hof und der Himmel verdunkelte sich und kündigte Sturm und Regen an. Schnell wurden noch Andenken gekauft, in Form von großen weißen Kisten in denen sich das besagte Manna befand. Eine Art flüssige Erinnerung.

Einer schnellen Verabschiedung folgte eine eilige Flucht in das Reisegefährt, wo jener beduinische und gut gelaunte Fahrer die Flüchtenden willkommen hieß, nicht ohne darauf hinzuweisen das der Ort für Bedürfnisse leider für den Bedarf nicht benutzbar ist.

Aber, na ja, eine Reise hat auch immer etwas mit Abenteuer zu tun. Nicht wahr.

Lucius Launhardt