17.11.2011

 

Eine unvergessliche Weihnachtsüberraschung

 

Größte Geheimhaltung ist angesagt – das mussten die teilnehmenden Sänger unseres Chores dem Veranstalter sogar schriftlich zusichern.

 

Doch so geheim konnte es wohl nicht sein. Bereits 2 Stunden vor Beginn des Flashmobs (zu deutsch = scheinbar spontaner Menschenauflauf) sammelten sich Menschen in der Haupthalle des Frankfurter Hauptbahnhofs. Viele ahnten zwar nicht worum es genau ging, hatten aber von der geplanten Veranstaltung Wind bekommen und sich kurzerhand auf den Weg gemacht.

 

Geheimnisvoll ging es zu vor Ort. Magenta-farben gekleidete Hostessen glitten durch die Haupthalle und verteilten Lebkuchen-Nikoläuse und Textblätter zum Weihnachtslied „Stille Nacht – Heilige Nacht“ und gefühlte 200 Techniker wirbelten mit Walky-Talkys herum um letzte Hand an die eigens aufgebaute Bühne und Unmengen von Kameras und Scheinwerfern zu legen.

 

Und dann waren da noch ganz besonders eifrige Menschen am Werk, die jedem verweilenden Passanten eine schriftliche Einverständniserklärung zur Verwertung von Film- und Tonaufnahmen unter die Nase hielten und einem nach getaner Arbeit eine bunten Klebepunkt auf die Hose klebten. Was hatte das nur alles zu bedeuten?

 

Langsam wurde den anwesenden Sängern und Sängerfrauen allerdings klar worum es ging. Und dann wurde es auch schon von einem Moderator als „unglaubliche, ultimative und unvergesslich einmalige Weihnachtsüberraschung“ angesagt. Es ging um einen zeitgleich in 5 europäischen Städten aufgezeichneten Weihnachtslieder-Flashmob. Das ganze wurde präsentiert von einer großen Telefongesellschaft, die zuvor schon andere Flashmobs dieser Art als werbewirksames Medium ausgerichtet hat.

 

Jetzt ging es los. Mit einem Countdown wurde die Bühne geöffnet und umrahmt von vier – naja, sagen wir – gut gebauten jungen Tänzern stand sie da – Mariah Carey. Direkt vor uns – und sang. Ohrenbetäubend klang es aus den aufgebauten Lautsprechern, und die mitgebrachten Fotoapparte und Handycameras kamen hundertfach zum Einsatz. Zu typisch amerikanischer Weihnachts-Popmusik wurde geschunkelt und gelacht – und selbst die älteren unter und uns gingen werbewirksam voll aus sich heraus.

 

Langsam näherten wir uns dem eigentlichen Höhepunkt. Stille Nacht – Heilige Nacht. Und das am 17. November. So richtig weihnachtliche Stimmung kam nicht auf unter den „Komparsen“. Aber es galt die Fahne der Frankfurter Sänger im europäischen Städtevergleich hochzuhalten. So wurde auch hochrangiger Besuch aus dem Vorstand des Sängerkreises Frankfurt gesichtet. Gemeinsam nahm man die Aufgabe an und begleitete die englisch singende Mariah Carey mit deutschem Text. So war es gewollt. Und es gelang. Und zum Abschluß, als alle dachten Mariah kommt von der Bühne und feiert mit uns, da tat es einen Knall und Mariah implodierte und verschwand als weisse Kugel von der Bühne.

 

Natürlich hatten es alle längst gemerkt – auf der Bühne wurde eine Holographie der Sängerin abgebildet. Täuschend echt – ein echter technischer Knaller. Ich hätte wie viele andere auch nicht für möglich gehalten, daß eine solche zumindest kurzfristige Täuschung möglich ist. Aber wie sollte Mariah auch zeitgleich in 5 Städten auf der Bühne stehen können. Naja, eine Illusion eben.

 

Manche Teenies schienen entäuscht, aber die Masse – und so auch wir – nahmen das ganze gelassen und von der heiteren Seite. Dabei sein war alles. Einfach mal erleben was so ein Flashmob eigentlich ist. Und hier und da mal die eigene Rübe in die Kamera halten. Vielleicht wird man ja werbewirksam in den geplanten Werbespot mit eingearbeitet. Für immer und ewig im weltweiten Netz als gemeinsam mit Mariah Carey singender Männerchorsänger. Überhaupt schien unsere fröhliche Gruppe bei den Medienleuten sehr begehrt zu sein. Einem Sänger hat sich die Kamera quasi bis ans Zäpfchen heran gezoomt. Wenn da mal keine Spätfolgen zu erwarten sind.

 

Auf geht’s zum nächsten Event.